In fünf Gedanken von dem Anderen und Einen zum ganz Anderen



tags: Kampf, جهاد, Stärke, Frieden, lyrik

19.06.2014

Erstens. Für das Leben zu Kämpfen, heißt, manch anderes Leben aufzugeben, heißt das Leben aufzugeben, niemand kämpft für den Tod, denn der Tod ist nur ein Mittel im Kampfe, und das Mittel der Wahl ist aber Leben; Stärke demjenigen, der entscheidet, wer aufhört zu Kämpfen, Stärke demanderen, der entscheidet, wer aufhört zu Leben.

Zweitens. Für den Frieden zu Kämpfen, heißt, manch andere Frieden aufzugeben, heißt den Frieden aufzugeben, niemand kämpft für den Krieg, denn der Krieg ist nur Ausdruck eines Kampfes, und der Ausdruck der Wahl ist aber Frieden; Stärke demjenigen, der entscheidet, wer aufhört zu Kämpfen, Stärke demanderen, der entscheidet, wer aufhört mit Frieden.

Drittens. Leben und Frieden sind einander nicht verträglich, aber das Leben setzt sich fort, es setzt sich durch, aber wird nur dann erlangen, wonach ihm trachtet, als es verschwindet.

Viertens. Stärke zu entscheiden ist eszentiell, denn es braucht Stärke, Entscheidungen durchzusetzen und ihre engeren Folgen zu überdauern. Es gibt keine richtigen Entscheidungen, wie es keine Wahrheit gibt. Stärke demjenigen, der entscheiden muß. Denn er ist der Friedensbringer, der kämpft. Der Heilsbringer, der sich nur selbst retten kann. Und Stärke demanderen, der ganz Mensch geblieben ist, und seinen Kampf noch vor sich hat.

Fünftens. Welcher Zustand drückt sich durch Frieden aus? Durch Entscheidungen gelangt nunmehr der Mensch zu größter Macht über die ganze Welt und all das in ihr innewohnende Leben. Ohne Entscheidungen ist der Mensch frei. Ein freier Mensch kann nicht mehr seinen Verstand benutzen außer in dem Versuch, den Verstand ständig zu bezwingen. Ein freier Mensch bringt nur Leid in die Welt wie jedes Tier, und kämpft gegen seine innere Welt stets, nur wie ein Mensch es kann. Entscheidung bringt unvorhersehbare Folgen gegen Leben und Frieden, gegen Mensch und Umwelt. Wer nicht entscheidet, bringt spruchlos Heil, wer entscheidet, dient allzusehr dem Tod. Entscheidet keiner, rettet sich die ganze Welt vor dem Menschen. In Frieden zu Leben, heißt, die Welt zu verschonen.

Addendum 2017

Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.
Karl Marx, 11. These über Feuerbach. Originalfassung. MEW 3, S. 535, 1845

Nur ein Satz schon und reichlich falsch. War das nicht der Marx, von dem alle reden? Der große Marx? Nicht aber doch der Murks?

Du an sich freier Geist, nun, wenn das Anklang findet, wer bist du? Wer bist du also, wohl du was über mich weißt? Oder etwa nicht?
Der du nach Veränderung drallst? Kaum hast du im ersten Antlitz der Welt dieselbe erfaßt — ein früher Versuch ist’s gewesen und bleibt es immerfort — drallst du mit aller Gewalt nun, sie wieder umzuformen, wieder und wieder, wie jede Generation ihren Wettstreit pflegt — und begreifst Nichts: ohne Balance wird alles nichts. Ich kann euch sagen: alle Anstrengen sind vergebens, denn eure Ideen haben nur ihre Zeit und Zeiten sind viele.

Gleichgewicht ist gesund und gerecht für die sich in der Welt befindenden Lebewesen, die Hartgesottenen nennen es Equi­li­b­ri­um und doch ist es der güldene Zustand, indem alles fruchtet und lebt, und nichts anderes muß das Ziel sein. Die Idee, die Welt zu verändern, beinhaltet den Glauben, ihr Wesen erkannt und den Glauben, die Lösung in der Hand zu haben. Gedenket eures Irrmaßes!

Euer Glauben sollte wohlüberlegt sein, weil ihr damit Leben müßt, nicht, weil ihr etwa der Wahrheit stets näher kommt, je mehr ihr euch anstrenget. Es ist kein Wettrennen, es ist vielleicht die falsche Art zu leben.

Wie kann da die Welt noch mitkommen? So stürmisch seid ihr: heute so, morgen gar nicht, und dann… ich will es kaum sagen, in diesem zähen Strom des Widerspruchs obsiegt vielleicht doch nicht etwa die Balance? Ausgeschlossen! Es ist Chaos und Leid, dem ihr den Weg bereitet. Und so wird alles nichts.

Es gibt wenige, vielleicht keine, die für Veränderung kämpfen sollten, sie sind die Mehrheit, die es in der Tat nicht sollten, und doch ist es der höchste Anspruch an einen selbst, trotz seines Glaubens und Überzeugungen die Welt vor sich zu verschonen.

Weil die Balance nicht gerettet werden will. Ist der Zustand bereits in der Balance, ist nichts zu tun. Ist der Zustand außer Balance, werde nicht zu Feuer, bekämpfe nicht Feuer mit Feuer, bekämpfe das Feuer. Der Grund allen menschlichen Übels sind jene Menschen, die die Welt verändern. Selten kommt Gutes dabei heraus.

Die Erkenntnis, daß die Welt an sich übel ist, bevor der Mensch handelt und in ihrem Wesen nicht verbessert werden kann, ist letztlich das Ende allen menschlichen Wirkens. Und die Idee, die Welt für manche Menschen zu verbessern, bedeutet allen anderen Lebewesen zusätzliches Leid.

Die Welt wird erst zur Ruhe kommen, wenn die Menschen zurücktreten.