🔗 Autolyse oder Monument einer Irrung



tags: Auflösung, Autolyse, lyrik

10.2005-2018

Falls sich in deinem Darm Eßbares befindet,
versuche dich nicht
zu winden danach.

Denn jetzt,
wenn erst morscher Kalk sich biegt,
und Galle spritzt, rot!,
und bricht,
zittert das Leben vor der morschen Knochen Staub,
der blutverbunden quillt empor
mit jeder Inhalation des Todesduftes,
der dir schleichend eigen —
als wenn die unfaßbare Existenz einen betrügt —
dann sei dir sicher: dein Leben weicht niemals,
denn du warst nie, lebst nur Erinnerungen,
die noch zunehmend häufiger erscheinen,
nur um zu versiegen, als brächten sie Würde —,
mehr bist du nicht: als Vergangenes
umgebenen von Stille,
und wieder verlassen, ohne sich;
Kälte vergütet den einst warmen Anfang und Stimme,
betrogen — wenn kümmert es jetzt noch?

Nur so ist es dem Leben Recht,
es ihm gleich zu tun.
Also bist du nicht mehr

als das Wagnis der Einsamen,
Gerechtigkeit euch zu verschaffen,
durch dich!,
mit der Kraft des unbezwingbaren Willens,
um zu deuten und bloßzustellen
der Schemen verstörten Gesichter,
die mit freudiger Pose,
die dem Leben Recht geben.

Im Vakuum nebstorts weicht gar das Leben,
wie der Tod sich näherte dem blassen Leichenstück,
das einst ewig so lebendig beschworen,
besungen, betanzt.
Zu verkünden jedes Wesens Bestimmung,
daß sie sich grausen vor ihrem Gestank, Galle und Saft,
ihrem Staub,
das, dem sie verkörpern.

Denn kein Fels sei je gesehen,
der nicht sich löste auf,
der fähig zu bestehen.

Ich aber sage auch:
Niemals sei je ein Mensch gesehen,
der nicht lebte das Barbarentum,
das, dem sie verkörpern.

Dies, nicht um zu richten die Menschen,
sondern zu vertikutieren die Lebendigen,
um sich zu trennen von den Geistlosen,
Schwachen und Bedürftigen, —
allen, die dem Leben dienen!

Das unsere uns tobend in Schwerelosigkeit verbittern läßt —
berauscht in pietätlosen Haltungen des Alters von Zwiegewandheit —
wenn das Leben sich offenkundig revanchiert,
als verschwendetes Aufballen uns’rer Hoffnung offenbart,
als das, dem wir verkörpern.

Belebt vom infantilem Schluchzen entzündeter Rachen,
wannimmer uns unsere Zukunft offenbart wird,
fliehen wir alle bald taumelnd
vor Behäbigkeit und Speichel in Einsamkeit,
bis beidsam Verstand und Sinn durch die Wahrheit beschämt werden,
bishin zu einer Pose,
die vor dem Leben warnt,
vergeblich.
Ihr Idioten!
Eure Kinder sollten euch hassen, dafür Sie sterben müßen!

Die letzten Kraftakte in unseligen Stunden,
verbringen wir in Hast stockend und sinnierend,
der Saft verspritzt aus dürrer, fettschwülstiger Haut,
liegerig — Eiter aus Hoffnungsblasen quillt,
den Mut befleckt, zu trotzen dem Leben
und wieder sich der geschwollene Magen erbricht —
um nur zu horchen!

Den verspritzten Saft des Vergorenen,
des Geweihten, Balsamierten,
gepriesen nach eurer Lebensfreude,
die mit unverfrorenem Lächeln schon müde warnt:
der Lebensblick, an dem jeder erzwungene Widerstand bricht
und unscheinbar klein die Welt versiegt
nach den Sinnen