🔗 Vergissmein / Lass mich



tags: Vergissmein, Lass, mich, lyrik

01. u. 02.06.2007 - 06.02.2019

Den Eingang durchschritten,
zwar gedacht, doch nie geahnt,
meine Blicke vertiefen sich,
und führen nur zu Wand und Tür.

Das ist doch unmöglich.
Das kann man doch nicht machen.
Das ist doch Mord!
Die Zimmer schallen Wort und Schritt.
Nichts bleibt. Ist doch klar.
Vereinzelte Bilder von Toten und Totgesagten
zeigen sich an undenkbarer Stelle.

Es fehlen doch mindestens zwei Stimmen — nicht?

Auch ich bin dabei, vor Zeit an guten Tagen.
Als wir noch entzwien, als jeder Hausrat unverrückbar,
jeder Baum unsägbar galt, jede Bekleidung standhalten würde.
Der Morgen noch nicht einmal begann, und ich schon wach.

Auch ich bin dabei, als ich oft in meiner Großeltern Bett stieg:
Er kurze Zeit später im Bad sich wusch, rasierte, dann das Frühstück in der Küche bereitete -
ich aber mit Bausteinen im Bett spielte oder in der Bettritze ruhte -
die Fruchtpresse protestierte.
Unsagbar!

Auch ich bin dabei, als manch’ Weihnachten war:
uns wurde beschert oben und unten im Erdgeschoß,
froh waren wir, als Feierlichkeiten nicht nur gefühlte Worte gewesen,
ich spielte neu geschenkte Gesellschaftsspiele oder
klebte Plastikmodelle für Spaß und Eisenbahn.

Auch ich bin dabei, als ich nicht ein mal die erste Klasse bestand -
da ich noch nicht schulfähig war -
und meine Großmutter mich auf entfernte, große Spielplätze begleitete,
Höhlen aus Krimskrams baute und
ich mich in Haus und Garten, unten Laken und Tisch, auf Bäumen versteckte
und sie nach mir verzweifelt suchte.

Auch ich war dabei.
Bei Momenten, die viel schöner waren,
als die der kommenden Tage.

Noch wenige, dann kommen sie.
Die, für die das Haus gänzlich leer ist.