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🔗 Das Leugnen von Farben ist nicht ohne Gefahr



tags: Umsturz, Barrikaden, Politik, lyrik

2016-2018

Eine Meinung zeichnet sich gewöhnlich vor allem dadurch aus, daß sie durch den Mund entkommt, wenn er nicht ganz geschlossen ist, obwohl der Schädel womöglich nur das Beißen übt — hurra, da ist sie schon ——— und was ist hier eigentlich geschehen?, oh, mein Herr, das durfte ich ja eigentlich gar nicht sagen, ich habe nur gemeint, nur gut gemeint, was, natürlich schlecht gedacht, mir war auch nicht wohl dabei… es war ja gar nicht meine Absicht… auch noch zu denken, nein, weiß-gott-nicht!, denn Denken ist mir schwer, aber das ist nicht Ihre Schuld, ich will ja nichts Falsches sagen, wenn Sie nicht mehr mit mir reden, Sie haben reichlich Grund, ich könnt’s mir gut denken, dächte ich noch, guten Tag ———

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🔗 Das Firmament der Finsternis



tags: Firmament, Bühne, Schall, Stück, Kunst, lyrik

2010-2018

der große schall verpufft
im saale niemand ist da
wozu wird sich weiter endlos verloren
wozu

sich der himmel wölbt und dunkelt
vor mir die bühne mein gutes stück, mein gutes
wozu ist es nicht recht

der himmel dunkelt und wölbt sich
denn das wird das firmament der finsternis
als ich auftrete
ist es oh finster so finster

was ich euch heute vorzutragen habe
das ist das firmament der finsternis
denn durch mich spricht das werk

alles ist kunst
alles ist tod
alles ist lüge
doch was ist nun das nichts

fürchterlich diese stille
kein scheinwerfer mein stück du gutes stück
wer atmet möge doch noch sprechen

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🔗 Haus der Spiegel (Originalversion)



tags: Haus, der, Spiegel, lyrik

2005-2007

Rost.
Der Zerfall.
Hienieden im Freien, wo Regen fällt, klare, dichte Nässe zwischen aufgeweichtem Boden und triefender Wolkendecke.

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🔗 In fünf Gedanken von dem Anderen und Einen zum ganz Anderen



tags: Kampf, Stärke, Frieden, lyrik

19.06.2014 - 2017

Erstens. Für das Leben zu kämpfen, heißt, manch anderes Leben aufzugeben, heißt das Leben aufzugeben, niemand kämpft für den Tod, denn der Tod ist nur ein Mittel im Kampfe, und das Mittel der Wahl ist aber Leben; Stärke demjenigen, der entscheidet, wer aufhört zu kämpfen, Stärke demanderen, der entscheidet, wer aufhört zu leben.

Zweitens. Für den Frieden zu kämpfen, heißt, manch andere Frieden aufzugeben, heißt den Frieden aufzugeben, niemand kämpft für den Krieg, denn der Krieg ist nur Ausdruck eines Kampfes, und der Ausdruck der Wahl ist aber Frieden; Stärke demjenigen, der entscheidet, wer aufhört zu kämpfen, Stärke demanderen, der entscheidet, wer aufhört mit Frieden.

Drittens. Leben und Frieden sind einander nicht verträglich, aber das Leben setzt sich fort, es setzt sich durch, aber wird nur dann erlangen, wonach ihm trachtet, als es verschwindet.

Viertens. Stärke zu entscheiden ist eszentiell, denn es braucht Stärke, Entscheidungen durchzusetzen und ihre engeren Folgen zu überdauern. Es gibt keine richtigen Entscheidungen, wie es keine Wahrheit gibt. Stärke demjenigen, der entscheiden muß. Denn er ist der Friedensbringer, der kämpft. Der Heilsbringer, der sich nur selbst retten kann. Und Stärke demanderen, der ganz Mensch geblieben ist, und seinen Kampf noch vor sich hat.

Fünftens. Welcher Zustand drückt sich durch Frieden aus? Durch Entscheidungen gelangt nunmehr der Mensch zu größter Macht über die ganze Welt und all das in ihr innewohnende Leben. Ohne Entscheidungen ist der Mensch frei. Ein freier Mensch kann nicht mehr seinen Verstand benutzen außer in dem Versuch, den Verstand ständig zu bezwingen. Ein freier Mensch bringt nur Leid in die Welt wie jedes Tier, und kämpft gegen seine innere Welt stets, nur wie ein Mensch es kann. Entscheidung bringt unvorhersehbare Folgen gegen Leben und Frieden, gegen Mensch und Umwelt. Wer nicht entscheidet, bringt spruchlos Heil, wer entscheidet, dient allzusehr dem Tod. Entscheidet keiner, rettet sich die ganze Welt vor dem Menschen. In Frieden zu leben, heißt, die Welt zu verschonen.

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🔗 durchdringung des absoluten



tags: Absolutheit, Friedhof, Geister, Begräbnis, Kirche, Irrewerdung, Sarg, Chor, Abendmahl, lyrik

2007-2014

aus winzig spalt erdmassner sohl
aus einem enge loche hohl
brach mein leib und trug sich fort
fern verschwand er
doch ich blieb dort.

wie jäh hügel wie forst sich finden
gleichwie flächen das land erringen
inmitten der fernsten verdichtungen
von allerkleinstem leben

hellung strich getuschter streif
kolben gräser pinsel stiele
erzählen einverleibten ausruf
wo unerhörte einigkeit

flüsternd am weiher schweben
im pulse des weihers beben
der reichen taue rinnsäle trübe
so zaghaft formen sich fort

und nebel klingt an
der fenster gestaltend
alles ist verwirklichung
hier in der wirklichkeit.

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🔗 Über die Kunst



tags: Kunst, Tod, lyrik

2007

Entweiche!, schrieb die bleiche Klinge
und verbarg beschämt ihre Dyslexie.

Lebensgeist!, flutete der Rebsaft
den herrlichsten Herbstpicasso,
den der kniende Tod je gesehen hat.

Zu mir mit ihm!, stieß der Teufel aus,
aber der Tod sah erst sich unfreiwillig schämend und schwieg sinnierend dann,
solange die Lebenskunst ihn mit der Sinnlosigkeit bannte, die ihn vereinnahmte,
gebar er die ihm fremde Ewigkeit in jenem ihm fremden Hause, erstarrte vor Ehrfurcht,
als gleiche die alternde Schöpfung einem Wunder.

— Nur bald darauf holte er seine Kinder,
er mit ihr, sie mit ihm,
heim.

🔗 Tor



tags: Tor, Abgang, Niederung, lyrik

22.04.2016

ich                           schritt hernieden
       wes andere Menschen mieden.
und ich schritt hochaus, hochvor:
ich                                                     Tor.

🔗 Ein köstlicher Blick



tags: Vor, Sonnenaufgang, lyrik

2006

Zu mir sang das Leben,
wohl wissend um seine Grausamkeit,
gleichsam in mir erstarrten alle Greuel,
blickte ich zu ihr mit Feuer,
und wenn es auch mir war Leid,
als die Sonne sich mir näherte,
da sang das Leben vor sich hin,
verlor sich kurz in tiefem Atem,
das ist die Heiterkeit!,
wohl wissend um ihre Grausamkeit,
schenkte sie nur ein Leidensblick,
als sie fiel mir zu Füßen,
und verschwand

🔗 Fliege, Du



tags: Fruchtfliege, Lebewesen, Lebensdrang, Fliegelein, lyrik

28.09.2014-13.11.2014

Oh, Fliegelein mußest gehen, du,
ohne mir zu verstehen, wie’s geschehen.

Wie’s geschehen:

Ein Fliegelein angeflogen kam,
und nahm mich zusehends mit,
ich schlug mich letztlich wacker,
als ich auf ihrem Stupschen — sitz.

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